Prophylaxe schenkt Lebenszeit

Tilman Flechsig • 9. Juni 2020

Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit: Wie wir dieses Wissen nutzen können

Das eine gute Mundgesundheit und intakte Zähne ein erstrebenswerter Zustand sind, liegt auf der Hand: Ein schönes Lächeln,  eine gute Kaufunktion, ungestörtes Sprechen und die Abwesenheit von Schmerzen und unangenehmem Mundgeruch sind den meisten Menschen sehr wichtig.
Das eine gute häusliche Mundhygiene, eine gesunde Ernährung und die moderne Zahnmedizin viel zu diesem erstrebenswerten Zustand beitragen können, wissen die Meisten. Weniger bekannt ist, dass Erkrankungen der Mundhöhle und insbesondere des Zahnhalteapparates mit einer Vielzahl weiterer Erkrankungen jenseits des Mundes verknüpft sind bzw. diese negativ beeinflussen.

Wie können Erkrankungen des Mundbereiches die Allgemeingesundheit schädigen?

In entzündeten Zahnfleischtaschen tummeln sich Millionen von Bakterien. Einige besonders aggressive Arten (Eiweißfresser) vermehren sich besonders in tiefen Taschen, dringen aktiv ins Weichgewebe ein und lösen im Körper einen Knochenabbau um die Zähne aus. Sie können im Rahmen der entzündlichen Auflösung des Zahnhalteapparates auch in kleine Blutgefäße eindringen und werden von dort in den Körper eingeschwemmt. Eine fortwährende bakterielle Fehlbesiedlung tiefer Zahnfleischtaschen bombardiert den Körper mit aggressiven Bakterien, giftigen Zerfallsprodukten des Abwehrkampfes und entzündungsfördernden Signalstoffen, die die Gesundheit auch in weit entfernten Körperteilen gefährden können. Die Mediziner sprechen von einem "modellierenden Risikofaktor", was bedeutet, das diese Vorgänge die Entstehung und den Verlauf weiterer Krankheiten negativ beeinflussen. Eine ganze Reihe konkreter Zusammenhänge sind inzwischen durch Assoziationsstudien, biologische Kausalitätsketten und Interventionsstudien wissenschaftlich belegt:

Im Blut von Patienten mit Zahnfleischentzündungen finden sich regelmäßig Bakterien, die zunächst die Zahnfleischtaschen besiedeln, dann in den Blutkreislauf eindringen und somit auch entfernte Regionen des Körpers erreichen. Diese Bakterien werden auch in den entzündeten Bereichen von Blutgefäßen lebend nachgewiesen. Das Eindringen von Bakterien in den Blutkreislauf ("Bakteriämie") schädigt zusammen mit weiteren Faktoren (Ernährung, Rauchen) die empfindlichen Innenwände der Blutgefäße und fördert chronische Gefäßentzündungen, die zu Mangeldurchblutungen und Verschlusskrankheiten (Atherosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall) führen. Eine Parodontitis ist also als unabhängiger Risikofaktor für diese Erkrankungen anzusehen!

Eine chronische Zahnbettentzündung ist insbesondere für Menschen mit Diabetes gefährlich, da sie über die Ausschüttung entzündungsfördender ("proinflammatorischer") Signalstoffe die Insulinresistenz fördert, die korrekte Einstellung des Blutzuckers erschwert und somit diabetische Komplikationen begünstigt. Während einer Zahnbettentzündung sind das C-reaktive Protein (CRP) und verschiedene Zytokine im Blut erhöht, der Körper wird permanent in Alarmbereitschaft gehalten, wodurch die "Insulinresistenz" gesteigert wird, die den Blutzucker nach oben treibt.  Umgekehrt fanden die Wissenschaftler bei Patienten, deren Zahnfleischentzündung erfolgreich behandelt wurde, eine Senkung des HbA1c-Wertes (Langzeit-Blutzuckerwert).

Chronische Zahnbetterkrankungen erhöhen das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft.

In den Blutkreislauf eingedrungene Bakterien  können künstliche Herzklappen, künstliche Gelenke und Gefäßprothesen besiedeln. Dort verursachen sie gefährliche Entzündungen,  die zum Verlust von Implantaten führen können.

Bakterienansammlungen aus Zahnnischen oder unter Prothesen können über die Luftröhre in die Lunge gelangen und     insbesondere bei älteren und bettlägerigen Menschen tödlich verlaufende Lungenentzündungen verursachen.

Auch für weitere Erkrankungen wird ein Einfluss der Mundhöhle diskutiert bzw. sind erste Hinweise gefunden worden, hier ist die Datenlage der wissenschaftlichen Studien aber noch zu gering, um gesicherte Aussagen machen zu können. Sicher ist aber: Eine chronische Entzündung im Mund bindet Abwehrkräfte des Körpers und ist sicher nicht förderlich für die allgemeine Gesundheit.


Wie können wir in der Praxis die Gesunderhaltung der Strukturen im Mund und damit auch die Allgemeingesundheit fördern?

Indem wir die chronische Infektion der Zahnfleischtaschen beenden, ganz klar.  Diesem Zweck dient die sogenannte "Parodontitis-Therapie",  die je nach Anfangsbefund unterschiedlich ausfällt.
Ganz wichtig: Nach Abschluss der ersten Behandlungsphase muss in regelmäßigen Abständen der Befund nachkontrolliert und die Resttaschen nachgereinigt werden. Leider heilt eine echte Zahnbettentzündung nicht spurlos aus, es kommt zu einer "Defektheilung". Das Knochenniveau ist unregelmäßig und im Weichgewebe verbleiben immer sogenannte Resttaschen, die in regelmäßigen Abständen professionell nachgearbeitet werden müssen, weil sie durch die häusliche Mundhygiene nicht erreicht werden können.

Dies geschieht im Rahmen der "parodontalen Erhaltungstherapie", oft auch vereinfacht als "professionelle Zahnreinigung" bezeichnet wird. Dabei werden
  • die Tiefe der Resttaschen und ihr Entzündungsgrad kontrolliert
  • schädliche Bakterienansammlungen (= "Biofilm") sichtbar gemacht
  • der Biofilm vollständig entfernt
  • Zahnstein und harte Auflagerungen auf den Wurzeloberflächen ("Konkremente") entfernt
  • Verfärbungen entfernt und alte Füllungen und Kronenränder aufgearbeitet und poliert
  • freiliegende Wurzelflächen und Zahnzwischenraumnischen nachfluoridiert
  • der Patient trainiert, mit individuell abgestimmten Hilfsmitteln seine Problemstellen effektiv zu reinigen
  • die individuell geeignetsten Pflegemittel (Zahnpasten, Spezialbürsten etc.) ausgesucht

Schenkt Prophylaxe Lebenszeit?

Ja! Schaffen wir gesunde Verhältnisse im Mund, verhindern wir die negativen Einflüsse auf die Entstehung oder den Verlauf ernsthafter Erkrankungen des Körpers und gewinnen so Gesundheit und damit auch Lebenszeit.
Als kleines Extra obendrauf gibt es noch Schutz gegen Karies, Vermeidung von teurem Zahnersatz und ein gutes, sauberes Gefühl im Mund dazu.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Praxisteam Dr. Gudrun Flechsig und Dr. Tilman Flechsig


von Tilman Flechsig 27. Dezember 2025
Interdentalbürsten sind studienbelegt das effektivste mechanische Hilfsmittel für die Reinigung der Zahnzwischenräume. Sie werden insbesondere bei vergrößerten Zahnzwischenräumen empfohlen. Diese finden sich insbesondere dann, wenn bereits ein Zahnfleischschwund eingetreten ist oder bei lückig stehenden Zähnen sowie um Implantate. Diese Bürsten verursachen auch bei jahrelangem Gebrauch keine Schäden und reduzieren nachweislich die Bakterienbeläge und den Entzündungsindex. Implantatträger profitieren von ihrem Einsatz besonders. Neuere Designformen ("Circum-Interdentalbürsten") mit unterschiedlich langen Borsten sollen einen besseren Kontakt mit den konvexen Zahnoberflächen ermöglichen. Ob diese Vorteile aber auch messbar bessere klinische Ergebnisse erbringen, ist noch nicht belegt. Unterschiedliche Arten von Zahnseide (ungewachst, gewachst, gewebt, montiert) sind inbesondere bei engeren Zahnzwischenräumen das Mittel der Wahl, also bei Menschen mit gesundem Zahnhalteapparat, aber auch bei engstehenden Zähnen (insbersondere bei "Kulissenstellung"). Sie unterscheiden sich nicht in Bezug auf ihre Effektivität. Ausschlaggebend sind hier die Geschicklichkeit und die Vorlieben des Anwenders. Zahnseide mit einer Einfädelhilfe ("Superfloss") kann in besonderen Situationen (Zahnersatz mit Stegen, Brückenkonstruktionen) sinnvoll sein, erfordert aber ein hohes Maß an Geschicklichkeit und einen höheren Zeiteinsatz als "gewöhnliche" Zahnseide. Interdental-Gummipicks bestehen aus einem Kern aus mittelhartem Kunststoff und einer strukturierten weichen Gummiauflage. Sie werden für engere bis mittlere Zwischenräume enpfohlen, wenn die Anwendung von Interdentalbürsten erschwert ist (der Draht kratzt) oder den Anwendern unangenehm ist. Die von der Spitze an zunehmende Dicke ermöglich die Reinigung unterschiedlich großer Zwischenräume. Da diese Hilfsmittel eine relativ neue Entwicklung sind, gibt es derzeit noch keine wissenschaftlichen Langzeituntersuchungen zu ihrer Effektivität. Lesen Sie hierzu auch unser Kapitel: " Zahnseide und Co. "
von Tilman Flechsig 27. Dezember 2025
Ein Artikel aus den "Zahnärztlichen Mitteilungen" aus diesem Dezember. Wir zitieren ihn und glauben, das er eine gute Anregung für eigenen Überlegungen darstellt. Wir teilem den Standpunkt der Autoren Prof. Dr. Johan Wölber und Prof. Dr. Florian Bruns aus Dresden - an der Besteuerung hoch zuckerhaltiger Nahrungsmittel sollte sich etwas ändern.
von Tilman Flechsig 27. Dezember 2025
Über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Zuckern, Zuckeraustauschstoffen und Süßstoffen haben wir in unserem Blog "Sinnvoller Umgang mit Süßungsmitteln" bereits berichtet. Darin ist auch die problematische Bewertung des Zuckeraustauschstoffes "Erythrit" nach neuen Studienergebnissen erwähnt worden. Sie finden ihn hier im Blogbereich, wenn Sie "show more" anklicken. Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln können grundsätzlich problematisch sein, weil unser Körper und seine natürliche Bakterienausstattung möglicherweise nicht in der Lage sind, sie zu tolerieren, schadlos auszuscheiden oder schadlos zu verstoffwechseln. Einige dieser Stoffe kommen auch natürlich in Pflanzen vor (z. B.: die Zuckeralkohole), werden aber in höheren Mengen der Nahrung zugesetzt. Andere (insbesondere die synthetischen Süßstoffe) kommen in der Natur (vermutlich) nicht vor. Schon bei der Zulassung von neuen Stoffen müssen diese also entsprechend untersucht werden. Allerdings werden diese Stoffe auch nach der Zulassung weiterhin erforscht. Eine dieser Studien hat sich nun mit einem "Newcomer" unter den Süßstoffen befasst: Es geht um den relativ neuen synthetischen Süßstoff Neotam. Der Süßstoff Neotam ist seit 2009 unter der Nummer E961 in der EU zugelassen. Seine Süßkraft beträgt das 7000-13.000fache einer vergleichbaren Menge Haushaltszucker (Saccharose). Er wird als Süßstoff und Geschmacksverstärker in Limonaden, Kaugummis und Bonbons verwendet. Da er keine Auswirkungen auf den Insulin- und Blutzuckerspiegel hat, ist er grundsätzlich für Diabetiker geeignet. Die neue Studie (s. u.) hat die Diskussion über Neotam neu angefacht. In dieser " in-vitro-Studie " (nicht an Lebewesen) wurde gezeigt, das Neotam Darmzellen direkt und indirekt über eine Veränderung der Bakterien schädigen kann. Allerdings ist dies keine Beobachtung am Menschen, sondern ein Vorgang quasi "im Reagenzglas", bei dem isolierte Zellen und zwei Bakterienstämme 24 Stunden lang dem Süßstoff Neotam ausgesetzt wurden. Diese lange Verweildauer ist im Menschen eher unrealistisch, sofern süßstoffhaltige Speisen nicht permanent konsumiert werden. Die Ergebnisse der Studie können ein Hinweis darauf sein, das dieser Süßstoff das Darmepithel direkt oder durch Veränderung von Darmbakterien schädigen könnte. Schäden an den Epithelzellen der Darmwand führen zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand, wodurch wiederum Stoffe aus dem Darm "ungefiltert" in den Körper eindringen und Entzündungen auslösen können.
von Tilman Flechsig 30. Dezember 2024
Warum mussten die Behandlungsrichtlinien verändert werden?
von Tilman Flechsig 24. November 2024
Was ist in "Energy-Drinks" eigentlich drin?
von Tilman Flechsig 22. April 2024
Verwendet unsere Praxis noch Amalgam? Nein. Wir haben in unserer Praxis die Verwendung von Amalgam schon vor über 25 Jahren komplett eingestellt. Bei Kindern und Jugendlichen haben wir es nie verwendet. Im Jahr 2018 hat die EU die Verwendung des Materials bei Schwangeren und Kindern unter 15 Jahren verboten. Nur für diesen kleineren Personenkreis übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die höheren Kosten einer Kompositefüllung. Wir bieten in unserer Praxis sowohl kostenfrei als auch kostenpflichtige Alternativen zum Amalgam an. Alle Patienten werden vor der Behandlung über eventuell anfallende Kosten bei der Versorgung mit höherwertigen Materialien informiert. Welche Konsequenzen ein EU-Amalgamverbot für die zukünftige Kostenübernahme von Kompositefüllungen (" Kunststofffüllungen ") durch die Krankenkassen haben wird, können wir derzeit noch nicht abschätzen. Für das Jahr 2024 ändert sich erst einmal nichts.
von Tilman Flechsig 19. April 2024
Wie geht Umweltschutz in der Praxis?
von Tilman Flechsig 11. April 2024
Vor nicht allzu langer Zeit waren Karies (" Zahnfäule ") und lockere Zähne durch Parodontitis (" Zahnfleischschwund ") die Hauptursachen für den Verlust von Zahnsubstanz und Zähnen. Erfreulicherweise hat sich das geändert: Durch die verbesserte Mundhygiene bleiben mehr und mehr Menschen weitgehend kariesfrei und das Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat werden gesund erhalten. In den letzten zwei Jahrzehnten rücken andere Schadensformen an den Zähnen mehr und mehr in den Vordergrund. Es sind Substanzverluste an den Oberflächen der Zähne, die durch mechanische ("Zähneknirschen", beschleunigter Zahnabrieb) oder chemische (Säureschäden) Einflüsse zu massiven Formveränderungen der Zähne, zum Absinken der Bisshöhe oder zum Freiliegen von empfindlichen Zahnarealen führen. Nach dem kompletten Verlust des schützenden Schmelzmantels liegt dann das Zahninnere, das Dentin frei, was zudem zu stark schmerzempfindlichen Zähnen führen kann. Natürlicher Oberflächenverlust (= Physiologische Demastikation) Jedes Gebiss unterliegt normalerweise einem kontinuierlichen Abrieb durch die Nahrungsbestandteile und die jeweilige Gegenbezahnung bzw. durch den Einfluss von natürlichen Säuren aus der Nahrung. So haben 20jährige in nur drei Prozent der Fälle einen stark sichtbaren Abriebsverlust (Abrieb bis in das mittlere Dentindrittel), wohingegen 70jährige diesen zu 17 Prozent aufweisen. Über 80% der 70jährigen haben zwar gealterte, aber grundsätzlich intakte Zahnoberflächen. Im Normalfall müssten unsere Zähne vom Abrieb her für ein ganzes Leben halten, weil wir in 10 Jahren nur etwa 0,3 mm an Zahnschmelz verlieren. Da der Schmelzmantel der Zähne im Bereich der Kaufläche ca. 1,5 mm dick ist, sollten wir die ersten 50 Jahre der Zahnnutzung ohne Freilegung von Dentin schaffen. Dies gilt umso mehr, als wir in unseren "modernen Zeiten" die Zähne nicht mehr als Werkzeug nutzen oder auf Steinen gemahlenes Mehl zu uns nehmen müssen. Das Mehl mit dem Sandzusatz wirkte in früheren Zeiten zu Brot gebacken wie Schmirgelpapier. Gebisse von Menschen, die vor mehr als 250 Jahren lebten, zeigen einen deutlich höheren Substanzverlust als heutzutage üblich. Es ist grundsätzlich sehr wichtig, krankhafte Substanzverluste schon in einem frühen Stadium zu entdecken, um massive Schäden und hohe Folgekosten für aufwendige Zahnrekonstruktionen zu vermeiden. Insbesondere kann sich der Abrieb verstärken, wenn das Dentin ("Zahnbein") an der Zahnoberfläche durch den vollständigen Verlust des Zahnschmelzes frei zu liegen beginnt, weil Dentin fünf mal weicher als Zahnschmelz ist. Was sind die Ursachen für einen beschleunigten Verlust von oberflächlicher Zahnsubstanz, der nicht durch Karies verursacht sind ? Wir unterscheiden hier zwei Schadensmechanismen, die im schlimmsten Fall kombiniert auftreten können:
von Tilman Flechsig 8. Februar 2024
Moderne Zahnerhaltung funktioniert . Immer mehr Menschen behalten immer mehr eigene Zähne bis in hohe Lebensalter. Dieser Erfolg wird für Deutschland durch repräsentative Studien bestätigt, zum Beispiel durch die fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) von 2016. Mehr eigene Zähne im Mund - das ermöglicht Zahnärzten, in weit höherem Maße als früher Zahnersatz anzufertigen, der fest im Mund verankert ist, also Kronen und Brücken anzufertigen, statt wie früher einen herausnehmbaren Zahnersatz herzustellen. Die Lebensqualität der so versorgten Menschen ist höher, der Kaukomfort und die Kauleistung steigen. Dieser Trend wird durch den Einsatz von Zahnimplantaten noch verstärkt, weil diese strategische eingesetzten künstlichen Zahnwurzeln die Möglichkeiten der fest sitzenden Verankerung für Zahnersatz nochmals erweitern. Die Gruppe der Menschen, die zahnlos und mit einer Totalprothese versorgt sind, wird kleiner. Diese erfreuliche Entwicklung hat allerdings auch eine Schattenseite. Wo früher Totalprothesen mit einer "Kukident"-Reinigungstablette über Nacht im Wasserglas auf dem Nachttisch gereinigt werden konnten, müssen nun auch im hohen Alter die eigenen Zähne im Mund gepflegt werden. Mit steigendem Lebensalter treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Zum einen steigt mit höherem Alter die Gefahr für Karies gegenüber dem mittleren Alter an. Freiliegende Zahnhälse, vergrößerte Zahnzwischenräume und abgenutzte Schmelzareale sowie eine geringere Speichelproduktion vergrößern die Anfälligkeit für Karies. Einschränkungen bei der Mundhygiene (Beweglichkeit von Schulter, Arm und Fingern, Sehschärfe etc.) begünstigen die Entstehung schädlicher Bakterienbeläge auf den Zahnoberflächen. In besonderem Maße sind Menschen gefährdet, die pflegebedürftig sind und noch eigene Zähne haben. Hier vergrößert sich der allgemeine Pflegebedarf durch die technisch herausfordernde Pflege der Zähne noch einmal deutlich. Und gerade in diesem Bereich gibt es zur Zeit noch die größten Defizite sowie einen hohen Informationsbedarf. Für Angehörige und Pflegende gibt es seit eine sehr informative Informations- und Lernplattform im Internet: https://mund-pflege.net/ Auf dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Plattform werden eine Vielzahl von Informationen und praktische Tipps gegeben. Die Kapitel sind durchgehend bebildert, frei von Werbung und gut verständlich. Ein Blick auf diese Seite lohnt sich für jeden!
von Tilman Flechsig 28. Oktober 2023
Das Problem des Biofilms