Praxistest Schallzahnbürste Curaden "Hydrosonic pro"

26. August 2021

Die neue Bürste der Schweizer Firma Curaprox

Curaprox hat seine neuste Schallzahnbürste vorgestellt. Sie entspricht vom Grundprinzip her den Produkten der Mitbewerber wie Philips oder Oral-B. Die Bürste ist hochwertig verarbeitet und liegt mit knapp 200.-€ im oberen Preissegment. Mitgeliefert wird ein Travel-Case, in dem Platz für zwei Bürstenköpfe ist, und ein Begleitheft, in dem die Benutzung der Bürste anschaulich erklärt wird. Einige Details der "Hydrosonic pro" sind jedoch anders als bei den Mitbewerbern und durchaus bemerkenswert:

+ Der Handgriff verfügt wie die Handbürsten der Firma Curaprox über 45°- abgewinkelte Führungsflächen, die eine gute Orientierung für das Ansetzen der Bürste am Zahnfleischrand im korrekten 45°-Winkel bieten (sog. Bass-Technik).

zur Bass-Technik
+ Die Bürste verfügt über sieben Intensitätsstufen, die durch längeres Drücken des Startknopfes verstellt werden. Nach der ersten Stufe "Start" mit geringer Intensität und 22.000 Bewegungen pro Minute folgen mit zunehmender Intensität drei "Clean"-Stufen mit 32.000 Bewegungen pro Minute, gefolgt von drei Stufen "Smile" mit 42.000 Bewegungen pro Minute. Eine LED-Anzeige auf der Vorderseite des Gerätes zeigt einen entsprechenden "Leistungsbalken" an. Ein Zeitsignal (kurze Unterbrechung) erfolgt alle 30 Sekunden, ein längeres nach zwei Minuten. Nach vier Minuten schaltet sich die Bürste automatisch aus.

+ Das Halselement ist sehr schlank und ergonomisch vorteilhaft um 10° nach "innen" gewinkelt, was die Erreichbarkeit der Zahnflächen und insbesondere der Zahnhälse im Innenbereich und weiter hinten verbessert.

+ Die Bürstenköpfe "Power" und "Sensitive" sind kürzer als die der Mitbewerber und und tropfenförmig. Die randständigen Borsten des Kopfes sind leicht erhöht, so das ein löffelartiges Borstenfeld entsteht, das sich der konvexen Oberfläche des Zahnes gut anschmiegt. Für Menschen mit freiliegenden Zahnhälsen oder dünnerem Zahnfleischtyp ist unbedingt die Verwendung des weicheren "Sensitive"-Kopfes anzuraten. Wie bei den Mitbewerbern ist die Rückseite der Köpfe mit einer Gummierung versehen, die harte Vibrationen bei unbeabsichtigtem Kontakt mit den Zähnen der Gegenseite puffert.  Die Intensitätsstufe für die Reinigung der Zähne kann mit diesen Köpfen frei gewählt werden.

+ Einzigartig ist der mitgelieferte "Single"-Bürstenkopf, der bisher noch von keinem andern Anbieter von Schallbürsten angeboten wird. Mit diesem Kopf kann die "Solo-Technik"  auch schallgestützt betrieben werden. Mit diesem Kopf können Problemstellen hochpräzise gereinigt werden. Der "Single-Bürstenkopf" sollte nach Herstellerangabe mit der geringsten Intensitätsstufe (also 1) betrieben werden.
Erklärung der Solo-Technik im Blog: Die beste Zahnbürste der Welt

+ Die Curen(R)-Borsten der Bürstenköpfe bestehen nicht wie bei üblichen Zahnbürsten aus Nylon (= Polyamid 6.6), sondern aus Polyester. Polyester ist etwas härter als Nylon, aber auch etwas flexibler. Das die Borsten dennoch sehr weich sind, liegt an ihrem dünneren Durchmesser. Dieses Prinzip nutzt Curaden auch bei seiner klassischen Handbürste, der cs5460. Eine große Zahl dünner Borsten pro Fläche reinigt den Zahn besser als wenige dicke Borsten.

+ Das mitgelieferte Ladegerät wird über einen USB-Anschluss betrieben.



Und in der Praxis?


Grundsätzlich ist eine gute Reinigung der Zähne auch mit einer Handzahnbürste möglich. Schallzahnbürsten oder auch rotierend-oszillierende Bürsten sind Produkte, die die tägliche Reinigung der Zähne erleichtern und zum besseren Putzen animieren sollen (siehe unsere Rubrik: "Elektrische Zahnbürsten" auf dieser Homepage). Eine gute Putzsystematik ist Voraussetzung für ein gutes Ergebnis.


zur Putzsystematik

Das Begleitheft ist sehr informativ und sollte vor der Benutzung der Bürste gelesen werden. Ich fand die Informationen nützlich und fachlich korrekt.


Mir persönlich haben die kleinen, tropfenförmigen Bürstenköpfe sehr gefallen. Die Beweglichkeit im Mund ist groß und die Positionierung des Bürstenkopfes wird durch die 45°-Führungsflächen der Handgriffes und die 10°-Neigung des Bürstenhalses optimal unterstützt. Gerade die Innenflächen im Ober- und Unterkiefer, die von vielen Menschen vernachlässigt werden, können hiermit sehr gut erreicht werden.


Die Wahl der Intensitätsstufe steht dem Benutzer frei. Allerdings ist das Weiterschalten durch das längere Drücken des Power-Knopfes nicht sehr komfortabel. Insbesondere wenn ich zunächst mit dem "Sensitive"-Kopf auf mittlerer Stufe die Kau- und Seitenflächen vorreinige und dann mit dem "Single"-Bürstenkopf die Nischen und Zahnfleischsäume abfahre. In diesem Fall muss ich mich erst von Stufe 4 über die 7 bis wieder zur 1 oder 2 durchwählen, was ein wenig dauert.

Der Power-Bürstenkopf ist mir etwas zu hart und erzeugt beim Putzen ab Stufe 4 ein für mich eher unangenehmes Kratzgefühl. Soviel Power muss nicht sein! Der Sensitive-Kopf reinigt meiner Meinung nach auf Stufe 3 bis 4 völlig ausreichend und schont dünnes Zahnfleisch besser. Im Bereich der Kauflächen können generell auch höhere Intensitäten benutzt werden.


Der absolute Knaller ist aber der Single-Bürstenkopf, den ich auf Stufe 1 bis 2 betrieben habe. Obwohl auch dieser eine Gummierung auf der Rückseite hat, kommt es ab und zu schon einmal zu harten Vibrationen durch Kontakt der Seitenfläche mit den Zähnen. Hier ist etwas Übung gefragt. Das Reinigungsergebnis im Bereich des Zahnfleischsaumes ist großartig!

Wie schon im Blog "Die beste Handbürsten der Welt" beschrieben, ist die Einzelzahn-Bürsttechnik (oder Solo-Technik) die überlegendste Form der Zahnpflege. Die Schallaktivierung des Kopfes kann den Reinigungseffekt nochmals verbessern, da die ermüdenden kleinen Wisch- oder Rüttelbewegungen entfallen und zusätzlich ein hydrodynamischer Effekt eintritt: Das Speichel-Zahnpasta-Gemisch wirbelt und reinigt auch jenseits des Bewegungsradius der Borsten, die Reinigung im Zahnzwischenraumbereich wird im Vergleich zur Handbürste nochmals verbessert. Einen solchen Kopf bietet derzeit noch kein Mitbewerber an.


Ärgerlich bei allen Schallzahnbürsten ist, dass sich grundsätzlich weder die Ladestationen noch die Bürstenköpfe der verschiedenen Hersteller austauschen lassen. Ob es hierfür wirklich technische oder juristische Gründe (z. B.: Produkthaftung) gibt, weiß ich nicht. 

Der Preis für die Bürstenköpfe ist in der Regel sehr hoch. Mit über 24.-€ (bei Amazon) für zwei Köpfe liegt auch der Preis für die Hydrosonic-Ersatzköpfe im obersten Segment, vergleichbar mit den Köpfen des  neuesten Modells von Oral-B (iO-Bürste).  Das sollte beim Kauf bedacht werden, denn allgemein wird ein Wechsel der Bürstenköpfe nach drei bis vier Monaten empfohlen. Eine sechsköpfige Familie kommt da finanziell schnell an ihre Grenzen.


Fazit:


Teuer aber gut.

Wer eine hochwertige Schallzahnbürste mit sehr grazilen Bürstenköpfen für die effektive Reinigung von Problembereichen und Nischen sucht und weder die Anfangsinvestition noch die Kosten für die Ersatzköpfe scheut, ist mit der Hydrosonic pro bestens bedient.

Wer dann auch noch bereit ist, auch beim Bürsten mit "Maschine" etwas mehr Zeit zu investieren, findet in dem "Single"-Kopf eine einzigartige Möglichkeit, den Zahnfleischsaum zu reinigen. Menschen mit Zahnfleischproblemen kann ich diesen Kopf und damit auch die "Hydrosonic"-Bürste von Curaden absolut empfehlen.

von Tilman Flechsig 27. Dezember 2025
Interdentalbürsten sind studienbelegt das effektivste mechanische Hilfsmittel für die Reinigung der Zahnzwischenräume. Sie werden insbesondere bei vergrößerten Zahnzwischenräumen empfohlen. Diese finden sich insbesondere dann, wenn bereits ein Zahnfleischschwund eingetreten ist oder bei lückig stehenden Zähnen sowie um Implantate. Diese Bürsten verursachen auch bei jahrelangem Gebrauch keine Schäden und reduzieren nachweislich die Bakterienbeläge und den Entzündungsindex. Implantatträger profitieren von ihrem Einsatz besonders. Neuere Designformen ("Circum-Interdentalbürsten") mit unterschiedlich langen Borsten sollen einen besseren Kontakt mit den konvexen Zahnoberflächen ermöglichen. Ob diese Vorteile aber auch messbar bessere klinische Ergebnisse erbringen, ist noch nicht belegt. Unterschiedliche Arten von Zahnseide (ungewachst, gewachst, gewebt, montiert) sind inbesondere bei engeren Zahnzwischenräumen das Mittel der Wahl, also bei Menschen mit gesundem Zahnhalteapparat, aber auch bei engstehenden Zähnen (insbersondere bei "Kulissenstellung"). Sie unterscheiden sich nicht in Bezug auf ihre Effektivität. Ausschlaggebend sind hier die Geschicklichkeit und die Vorlieben des Anwenders. Zahnseide mit einer Einfädelhilfe ("Superfloss") kann in besonderen Situationen (Zahnersatz mit Stegen, Brückenkonstruktionen) sinnvoll sein, erfordert aber ein hohes Maß an Geschicklichkeit und einen höheren Zeiteinsatz als "gewöhnliche" Zahnseide. Interdental-Gummipicks bestehen aus einem Kern aus mittelhartem Kunststoff und einer strukturierten weichen Gummiauflage. Sie werden für engere bis mittlere Zwischenräume enpfohlen, wenn die Anwendung von Interdentalbürsten erschwert ist (der Draht kratzt) oder den Anwendern unangenehm ist. Die von der Spitze an zunehmende Dicke ermöglich die Reinigung unterschiedlich großer Zwischenräume. Da diese Hilfsmittel eine relativ neue Entwicklung sind, gibt es derzeit noch keine wissenschaftlichen Langzeituntersuchungen zu ihrer Effektivität. Lesen Sie hierzu auch unser Kapitel: " Zahnseide und Co. "
von Tilman Flechsig 27. Dezember 2025
Ein Artikel aus den "Zahnärztlichen Mitteilungen" aus diesem Dezember. Wir zitieren ihn und glauben, das er eine gute Anregung für eigenen Überlegungen darstellt. Wir teilem den Standpunkt der Autoren Prof. Dr. Johan Wölber und Prof. Dr. Florian Bruns aus Dresden - an der Besteuerung hoch zuckerhaltiger Nahrungsmittel sollte sich etwas ändern.
von Tilman Flechsig 27. Dezember 2025
Über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Zuckern, Zuckeraustauschstoffen und Süßstoffen haben wir in unserem Blog "Sinnvoller Umgang mit Süßungsmitteln" bereits berichtet. Darin ist auch die problematische Bewertung des Zuckeraustauschstoffes "Erythrit" nach neuen Studienergebnissen erwähnt worden. Sie finden ihn hier im Blogbereich, wenn Sie "show more" anklicken. Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln können grundsätzlich problematisch sein, weil unser Körper und seine natürliche Bakterienausstattung möglicherweise nicht in der Lage sind, sie zu tolerieren, schadlos auszuscheiden oder schadlos zu verstoffwechseln. Einige dieser Stoffe kommen auch natürlich in Pflanzen vor (z. B.: die Zuckeralkohole), werden aber in höheren Mengen der Nahrung zugesetzt. Andere (insbesondere die synthetischen Süßstoffe) kommen in der Natur (vermutlich) nicht vor. Schon bei der Zulassung von neuen Stoffen müssen diese also entsprechend untersucht werden. Allerdings werden diese Stoffe auch nach der Zulassung weiterhin erforscht. Eine dieser Studien hat sich nun mit einem "Newcomer" unter den Süßstoffen befasst: Es geht um den relativ neuen synthetischen Süßstoff Neotam. Der Süßstoff Neotam ist seit 2009 unter der Nummer E961 in der EU zugelassen. Seine Süßkraft beträgt das 7000-13.000fache einer vergleichbaren Menge Haushaltszucker (Saccharose). Er wird als Süßstoff und Geschmacksverstärker in Limonaden, Kaugummis und Bonbons verwendet. Da er keine Auswirkungen auf den Insulin- und Blutzuckerspiegel hat, ist er grundsätzlich für Diabetiker geeignet. Die neue Studie (s. u.) hat die Diskussion über Neotam neu angefacht. In dieser " in-vitro-Studie " (nicht an Lebewesen) wurde gezeigt, das Neotam Darmzellen direkt und indirekt über eine Veränderung der Bakterien schädigen kann. Allerdings ist dies keine Beobachtung am Menschen, sondern ein Vorgang quasi "im Reagenzglas", bei dem isolierte Zellen und zwei Bakterienstämme 24 Stunden lang dem Süßstoff Neotam ausgesetzt wurden. Diese lange Verweildauer ist im Menschen eher unrealistisch, sofern süßstoffhaltige Speisen nicht permanent konsumiert werden. Die Ergebnisse der Studie können ein Hinweis darauf sein, das dieser Süßstoff das Darmepithel direkt oder durch Veränderung von Darmbakterien schädigen könnte. Schäden an den Epithelzellen der Darmwand führen zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand, wodurch wiederum Stoffe aus dem Darm "ungefiltert" in den Körper eindringen und Entzündungen auslösen können.
von Tilman Flechsig 30. Dezember 2024
Warum mussten die Behandlungsrichtlinien verändert werden?
von Tilman Flechsig 24. November 2024
Was ist in "Energy-Drinks" eigentlich drin?
von Tilman Flechsig 22. April 2024
Verwendet unsere Praxis noch Amalgam? Nein. Wir haben in unserer Praxis die Verwendung von Amalgam schon vor über 25 Jahren komplett eingestellt. Bei Kindern und Jugendlichen haben wir es nie verwendet. Im Jahr 2018 hat die EU die Verwendung des Materials bei Schwangeren und Kindern unter 15 Jahren verboten. Nur für diesen kleineren Personenkreis übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die höheren Kosten einer Kompositefüllung. Wir bieten in unserer Praxis sowohl kostenfrei als auch kostenpflichtige Alternativen zum Amalgam an. Alle Patienten werden vor der Behandlung über eventuell anfallende Kosten bei der Versorgung mit höherwertigen Materialien informiert. Welche Konsequenzen ein EU-Amalgamverbot für die zukünftige Kostenübernahme von Kompositefüllungen (" Kunststofffüllungen ") durch die Krankenkassen haben wird, können wir derzeit noch nicht abschätzen. Für das Jahr 2024 ändert sich erst einmal nichts.
von Tilman Flechsig 19. April 2024
Wie geht Umweltschutz in der Praxis?
von Tilman Flechsig 11. April 2024
Vor nicht allzu langer Zeit waren Karies (" Zahnfäule ") und lockere Zähne durch Parodontitis (" Zahnfleischschwund ") die Hauptursachen für den Verlust von Zahnsubstanz und Zähnen. Erfreulicherweise hat sich das geändert: Durch die verbesserte Mundhygiene bleiben mehr und mehr Menschen weitgehend kariesfrei und das Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat werden gesund erhalten. In den letzten zwei Jahrzehnten rücken andere Schadensformen an den Zähnen mehr und mehr in den Vordergrund. Es sind Substanzverluste an den Oberflächen der Zähne, die durch mechanische ("Zähneknirschen", beschleunigter Zahnabrieb) oder chemische (Säureschäden) Einflüsse zu massiven Formveränderungen der Zähne, zum Absinken der Bisshöhe oder zum Freiliegen von empfindlichen Zahnarealen führen. Nach dem kompletten Verlust des schützenden Schmelzmantels liegt dann das Zahninnere, das Dentin frei, was zudem zu stark schmerzempfindlichen Zähnen führen kann. Natürlicher Oberflächenverlust (= Physiologische Demastikation) Jedes Gebiss unterliegt normalerweise einem kontinuierlichen Abrieb durch die Nahrungsbestandteile und die jeweilige Gegenbezahnung bzw. durch den Einfluss von natürlichen Säuren aus der Nahrung. So haben 20jährige in nur drei Prozent der Fälle einen stark sichtbaren Abriebsverlust (Abrieb bis in das mittlere Dentindrittel), wohingegen 70jährige diesen zu 17 Prozent aufweisen. Über 80% der 70jährigen haben zwar gealterte, aber grundsätzlich intakte Zahnoberflächen. Im Normalfall müssten unsere Zähne vom Abrieb her für ein ganzes Leben halten, weil wir in 10 Jahren nur etwa 0,3 mm an Zahnschmelz verlieren. Da der Schmelzmantel der Zähne im Bereich der Kaufläche ca. 1,5 mm dick ist, sollten wir die ersten 50 Jahre der Zahnnutzung ohne Freilegung von Dentin schaffen. Dies gilt umso mehr, als wir in unseren "modernen Zeiten" die Zähne nicht mehr als Werkzeug nutzen oder auf Steinen gemahlenes Mehl zu uns nehmen müssen. Das Mehl mit dem Sandzusatz wirkte in früheren Zeiten zu Brot gebacken wie Schmirgelpapier. Gebisse von Menschen, die vor mehr als 250 Jahren lebten, zeigen einen deutlich höheren Substanzverlust als heutzutage üblich. Es ist grundsätzlich sehr wichtig, krankhafte Substanzverluste schon in einem frühen Stadium zu entdecken, um massive Schäden und hohe Folgekosten für aufwendige Zahnrekonstruktionen zu vermeiden. Insbesondere kann sich der Abrieb verstärken, wenn das Dentin ("Zahnbein") an der Zahnoberfläche durch den vollständigen Verlust des Zahnschmelzes frei zu liegen beginnt, weil Dentin fünf mal weicher als Zahnschmelz ist. Was sind die Ursachen für einen beschleunigten Verlust von oberflächlicher Zahnsubstanz, der nicht durch Karies verursacht sind ? Wir unterscheiden hier zwei Schadensmechanismen, die im schlimmsten Fall kombiniert auftreten können:
von Tilman Flechsig 8. Februar 2024
Moderne Zahnerhaltung funktioniert . Immer mehr Menschen behalten immer mehr eigene Zähne bis in hohe Lebensalter. Dieser Erfolg wird für Deutschland durch repräsentative Studien bestätigt, zum Beispiel durch die fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) von 2016. Mehr eigene Zähne im Mund - das ermöglicht Zahnärzten, in weit höherem Maße als früher Zahnersatz anzufertigen, der fest im Mund verankert ist, also Kronen und Brücken anzufertigen, statt wie früher einen herausnehmbaren Zahnersatz herzustellen. Die Lebensqualität der so versorgten Menschen ist höher, der Kaukomfort und die Kauleistung steigen. Dieser Trend wird durch den Einsatz von Zahnimplantaten noch verstärkt, weil diese strategische eingesetzten künstlichen Zahnwurzeln die Möglichkeiten der fest sitzenden Verankerung für Zahnersatz nochmals erweitern. Die Gruppe der Menschen, die zahnlos und mit einer Totalprothese versorgt sind, wird kleiner. Diese erfreuliche Entwicklung hat allerdings auch eine Schattenseite. Wo früher Totalprothesen mit einer "Kukident"-Reinigungstablette über Nacht im Wasserglas auf dem Nachttisch gereinigt werden konnten, müssen nun auch im hohen Alter die eigenen Zähne im Mund gepflegt werden. Mit steigendem Lebensalter treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Zum einen steigt mit höherem Alter die Gefahr für Karies gegenüber dem mittleren Alter an. Freiliegende Zahnhälse, vergrößerte Zahnzwischenräume und abgenutzte Schmelzareale sowie eine geringere Speichelproduktion vergrößern die Anfälligkeit für Karies. Einschränkungen bei der Mundhygiene (Beweglichkeit von Schulter, Arm und Fingern, Sehschärfe etc.) begünstigen die Entstehung schädlicher Bakterienbeläge auf den Zahnoberflächen. In besonderem Maße sind Menschen gefährdet, die pflegebedürftig sind und noch eigene Zähne haben. Hier vergrößert sich der allgemeine Pflegebedarf durch die technisch herausfordernde Pflege der Zähne noch einmal deutlich. Und gerade in diesem Bereich gibt es zur Zeit noch die größten Defizite sowie einen hohen Informationsbedarf. Für Angehörige und Pflegende gibt es seit eine sehr informative Informations- und Lernplattform im Internet: https://mund-pflege.net/ Auf dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Plattform werden eine Vielzahl von Informationen und praktische Tipps gegeben. Die Kapitel sind durchgehend bebildert, frei von Werbung und gut verständlich. Ein Blick auf diese Seite lohnt sich für jeden!
von Tilman Flechsig 28. Oktober 2023
Das Problem des Biofilms